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Weiterbildung der Luzerner-Warmblutpferdezucht-Genossenschaft

 

Auf den 6. Januar 2005 hat der Vorstand der Luzerner-Warmblutpferdezucht-Genossenschaft seine Mitglieder ins Restaurant Sonne Reiden, zu den Vortragsthemen Fütterung der Zuchtstute und des Fohlens sowie zum Thema Genetik eingeladen. Über 50 interessierte Züchter und Züchterinnen der Luzerner-Warmblutpferdezucht-Genosseschaft haben der Einladung folge geleistet.

 

In seiner Begrüssung weist Walter Albisser, Ruswil, Präsident der Luzerner-Warmblutpferdezucht-Genossenschaft darauf hin , wie wichtig es für eine erfolgreiche Pferdezucht sei, dass der/die ZüchterIn sich laufend auf dem neuesten Stand der Erkenntnisse hält. Aus diesem Grund habe der Vorstand bewusst die Themen Fütterung der Zuchtstute und des Fohlens sowie Einfluss der Genetik auf eine erfolgreiche Pferdezucht gewählt. Der erfreulich grosse Aufmarsch dokumentierte das Bedürfnis der Züchter/innen die neuesten Trends zu diesen Themen zu erfahren.

 

Hans Huber, Hypona Beratungsdienst, Sursee, orientierte zum Thema Fütterung der Zuchtstuten und der Fohlen. Einleitend hält er fest, dass eine gezielte Fütterung der Zuchtstuten und der Fohlen eine sehr wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Pferdezucht darstellt. Bei der Fütterung der Zuchtstuten muss berücksichtigt werden, dass der Bedarf der Stute in den verschiedenen Trächtigkeitsstadien, der Geburt bis zur Neubelegung und in der Laktationsphase sehr unterschiedlich sei. Nach dem Absetzen der Fohlen bis ca. zum 8. Trächtigkeitsmonat deckt eine rohfaserreiche Ration die Bedürfnisse der trächtigen Stute. In den letzten 3 Trächtigkeitsmonaten nimmt das Fohlen bis zu 500 gr. pro Tag an Gewicht zu. Diese Tatsache setzt voraus, dass die Energie-, Mineral- und Vitaminversorgung in dieser Trächtigkeitsphase eine grosse Bedeutung hat. Dabei ist zu berücksichtigen, dass im gleichen Ausmass mit dem Wachstum des Fohlens der Raum für die Futteraufnahme der Stute abnimmt.


Hans Huber, Hypona Beratungsdienst, Sursee
 

Das heisst, damit die Stute noch bedarfsgerecht versorgt werden kann, ist die Nährstoffkonzentration der Futterration entsprechend zu erhöhen. Diese Anforderung an die Futterration bedingt eine Kraftfuttergabe von mindestens 3 bis 4 kg Kraftfutter pro Tag. Im weiteren ist gegen Ende der Trächtigkeit speziell der Mineralstoff- und der Vitaminversorgung grösste Beachtung zu schenken. Insbesondere die Beta-Karotinversorgung ist wichtig die kommende Neubelegung der Stute.
 

Der Bedarf der Stute an Eiweiss ist bei der Geburt und in der Laktation um das 2.5-fache höher als während der Trächtigkeit. Die Eiweisskonzentration der Futterration sollte rund 2 Wochen vor der Geburt (Vorbereitungsfütterung) den Bedürfnissen der Stute bei der Geburt und in der Laktation angepasst werden. Eine erhöhte Eiweisskonzentration vor der Geburt und Mashfütterung hat zudem den Nebeneffekt, dass der Kot weicher und dadurch besser verformbar wird. Dieser Nebeneffekt kann den Geburtablauf wesentlich erleichtern.

In der Laktation hat die Stute hohe Anforderungen an die Energie- und Eiweissversorgung. Für eine bedarfsgerechte Fütterung der Stute sind in den ersten 3 Monaten der Laktation mineralisierte Kraftfuttergaben von mindestens 5 kg pro Tag erforderlich. Die Vitaminversorgung der Stute ist bei genügend Weidegang ab Weidegang meistens gedeckt.

 

Neben einem ausgiebigen Weidegang sind dem Fohlen Heu und möglichst früh mineralisierte Kraftfuttergaben zu verabreichen ( bis 400 gr. pro Altersmonat). Viel Bewegung sind für die Entwicklung und die Gesundheit eines Fohlens entscheidend.



Ulrich Huber zeigte in einem ersten Teil seines Referates das Resultat der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen ihm als Hengsthalter und der Luzerner Warmblutpferdezuchtgenossenschaft auf. Verschiedene Pferde aus dieser Zusammenarbeit haben Sportleistungen bis auf höchstes Niveau erbracht. Neben vielen weiteren sehr erfolgreichen Pferden erwähnte Ulrich Huber die Stuten Lysandra V: Lysander, Palmira von Hof (V: Palestro) und Amanda (V: Irac de l’lile).


In einem zweiten Teil seines Referates verstand es Ulrich Huber einmal mehr mit viel Leidenschaft die Wichtigkeit des Blutanteiles für erfolgreiche Sportpferde darzustellen. Die meisten Spitzenpferden weisen in ihren Pedigrees einen hohen Blutanteil auf.

 

Das Ziel der Zuchtarbeit sollte die Verbesserung der Genetik der gezüchteten Pferde sein. Diesbezüglich besonders erfolgreich arbeiten die Zuchtverbände von Selle Francaise und Zangersheide. Die Verbesserung der Genetik der gezüchteten Produkte setzt das Wissen über die Genetik der Elterntiere voraus. Mit den heutigen Zuchtwertschätzungen wird versucht die Umweltfaktoren (Ausbildung des Pferdes, Können des Reiters etc.) möglichst auszuschliessen um dadurch möglichst genau die genetischen Veranlagungen der Elterntiere zu kennen. Mit dem gezielten Zuchteinsatz z. B. von Leistungsblut können die gewünschten Eigenschaften gefördert werden. Viele der heutigen Spitzensportler Tinka’s Boy von Markus Fuchs, Goldfever von Ludger Beerbaum sind ein Mix von verschiedenen Rassen. 
 


Ueli Huber
 

Allgemein kann man festhalten, dass die heute erfolgreichsten Zuchtverbände bereits seit längerer Zeit mit Zuchtwertschätzung gearbeitet haben. Die Franzosen z. B., haben bereits um 1950 die ersten Zuchtwertschätzungen gemacht. Natürlich konnten mit den damaligen Möglichkeiten noch nicht so viele Faktoren berücksichtigt werden.

 

Beim Zuchtwertschätzungsmodell des CH-Warmblutzuchtverbandes werden die Daten und Leistungen der 4 und 5 jährigen Pferde verarbeitet. Dieses Modell hat den Nachteil, dass die Leistungen der älteren Pferde nicht berücksichtigt werden. Diesbezügliche Anpassungen sind aber in Vorbereitung.

 

Die an die Referate anschliessende Diskussionen und angeregte Gespräche unter den anwesenden Züchterinnen und Züchter zeigte dem Vorstand, dass die Themenwahl einem Bedürfnis entsprochen hat

 

Johann Müller
 

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