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DER ZÜCHTERABEND DER LUZERNER WARMBLUTPFERDEZUCHT-GENOSSENSCHAFT MIT

DR. MED.VET.FVH FÜR PFERDE, DIPLOMATE ECVS DIEGO GYGAX UND

HUFSCHMIED CJF AARON A. GYGAX

 

Die Luzerner Warmblutpferdezuchtgenossenschaft organisierte am 04. März 2010 einen sehr interessanten und informativen Züchterabend in REIDEN, Luzern.

Med. vet. D. Gygax  und A.A. Gygax befassten sich mit dem Thema: Fehlstellungen beim  Fohlen, welche Ursachen und Korrekturmöglichkeiten gibt es? Die Abfohlzeit für die Züchter steht wieder vor der Türe und somit sind diese zwei Themen sehr aktuell.
 


Fehlstellungen können schon in den ersten Monaten im Leben eines Fohlens behandelt werden.
Die
Gliedmassenfehlstellungen beim Fohlen sind Sehnenfehlstellungen, Achsenfehlstellung, X-Beinigkeit: Abweichung der Gliedmasse nach aussen (Valgus), X-Beinigkeit: Abweichung der Gliedmasse nach aussen, O-Beinigkeit: Abweichung der Gliedmassen nach innen (Varus). Die Lokalisation wird in der Wachstumsfuge, dem Gelenk oder bei der Diaphyse (mittlerer Teil des Knochens) gesucht. Ursachen: sie können bei der Geburt vorhanden sein, eine genetische Veranlagung, knöcherne Unreife oder ungenügende Spannung der Bandstrukturen. Sie können aber auch entwicklungsbedingt als Verknöcherungsstörungen, eine Ueberbelastung, ein Trauma z.B. durch einen Schlag, Infektionen in der Wachstumsfuge oder durch ein ungleichmässiges Wachstum in den Wachstumsfugen auftreten. Die Diagnose wird durch Adspektion(anschauen), Vorführen, Palpation (betasten) und Röntgen gestellt. Nun muss entschieden werden, welche Therapie für das Fohlen am besten sein wird. Konservative Therapie durch reduzierte Bewegung mit Hilfe von Verbänden bei inkompletter Verknöcherung oder Bindegewebsschwäche. Um Drücken vorzubeugen müssen sie gut gepolstert sein und  regelmässig gewechselt werden. Mit einer chirurgischen Behandlung  kann ein Beschleunigen des Wachstums auf der kurzen Seite (konkav) durch das Durchtrennen der Knochenhaut über der Wachstumsfuge angeregt werden.Vorteile dieser Behandlung sind: keine Überkorrektur, ambulant möglich, sofort wieder nach Hause, kleineres Infektionsrisiko als bei Wachstumsverzögerung, die Operation kann wiederholt werden.

 



Diego Gygax

 

Als Nachteil gilt: zu wenig wirksam bei sehr starken Fehlstellungen. Mit einer chirurgischen Behandlung  kann ebenfalls eine Verzögerung auf der langen Seite (konvex) erzielt werden. Mit einer Wachstumshemmung durch Überbrücken der Wachstumsfuge mit einem Implantat können vor allem starke Fehlstellungen korrigiert werden. Ein Nachteil ist: das Implantat muss wieder entfernt werden wie auch die Gefahr der Überkorrektur (Röntgenkontrollen und sofortige Entfernung des Implantates bei gerader Achse), grösseres Infektionsrisiko und teuer. Die Prognose: bei frühem Erkennen und moderaten Fehlstellungen können in der Regel gute Erfolge erzielt werden. Der Zeitrahmen für Korrekturen im Fesselbereich: in den ersten 3 Monaten, Schluss der Fuge nach ca. 6 Monaten, im Karpus/Tarsusbereich: in den ersten 8-10 Monaten,  Der Schluss der Fuge erfolgt nach ca. 18 Monaten. Eine Achsenfehlstellung mit chirurgischen Korrekturen muss auch immer mit Hufkorrekturen kombiniert werden. Es sollte nicht zu lange gewartet werden  bis eine Korrektur durchgeführt wird, als Prophylaxe für Hufdeformationen, welche später sekundäre Probleme verursachen.
Sehnenfehlstellungen, Durchtrittigkeit, Sehnenverkürzungen und Strecksehnenriss haben unreife Fohlen und bei langer Immobilisation von Gliedmassen. Als Therapie werden kontrollierte Bewegung auf hartem Untergrund  und Hufkorrekturen angwandt. In der Regel ist die Prognose gut. Weitere Fehlstellungen wie Bockhufigkeit und Sehnenstelzfuss entstehen bei Sehnenverkürzungen. Sie können angeboren sein, ev. durch schädliche Einflüsse während der Trächtigkeit, durch giftige Substanzen, Influenza, „falsche Lage“ des Fohlens in der Gebärmutter oder erworben durch die Genetik und Ernährung (Schnelles Knochenwachstum)einer Lahmheit infolge anderer Genese (Infektion, OCD = Osteochondrose (Unter einer Osteochondrose versteht man eine degenerative Veränderung des Bandscheibenknorpels), Fraktur. Doch die  Mehrzahl der Fehlstellungen ist entwicklungsbedingt. Therapien bei  Sehnenverkürzungen sind z.B. konservativ: Energiezufuhr reduzieren, Calcium- Phosphor- Verhältnis korrigieren, Schienen, feste Verbände, Tetrazyklin (Antibiotika), Entzündungshemmer, Hufkorrekturen. chirurgische Therapie beim Sehnenstelzfuss: Desmotomie (Durchtrennung eines Bandes) des Unterstützungsbands der  oberflächlichen Beugesehne und ev. zusätzlich des Unterstützungsbands der tiefliegenden Beugesehne. Die Prognose bei frühem Erkennen ist relativ gut. Das Durchtrennen der Unterstützungsbänder heilt gut ab, die Pferde sind sporttauglich. Fraglich ist es, wenn schon Veränderungen an Gelenken und Knochen bestehen, wie weit diese Pferde im Sport oder zur Zucht eingesetzt werden sollen. Die Ursache der Strecksehnenruptur: Ueberbeanspruchung oder ausgeprägte Beugesehnenfehlstellungen. Als Therapie: Schienenverbände und Boxenruhe, die Prognose ist gut. Sind Korrekturen notwendig?  Sie sind abhängig vom Schweregrad und dem Verwendungszweck. Als Vorbeugung dafür gilt die gesunde Genetik, Haltung und Fütterung, Gut beobachten (Lahmheiten) und rechtzeitig reagieren. Fehlstellungen sind häufig entwicklungsbedingt. Schnellwachsende Fohlen sind prädisponiert. Der Behandlungserfolg ist stark abhängig vom Zeitpunkt des Therapiebeginnes.

 



Aaron A. Gygax


Hier beginnt der Vortrag über die
Hufpflege beim Fohlen von Aaron Gygax, Hufschmied CJF. Mit vielen interessanten Bildern zeigt auch er Dokumentationen von normaler Hufpflege, Achsenfehlstellungen und Sehnen –Fehlstellungen. Der Fohlenhuf wächst schneller als beim ausgewachsenen Pferd (Fohlen 15mm/Monat; 1 Jahr alt 12mm Monat; Ausgewachsen 9mm /Monat) Auch ein schnelles Wachstum des Hufbeines ist beim Fohlen auffallend. Der Huf wächst in zwei Richtungen.

Der Huf ist proximal (oberhalb) breiter als distal (unterhalb), Der  “Babyhuf“ erscheint ca. 4 Monate nach der Geburt. Er ist ohne Einfluss des Gewichtes gewachsen. Ein erstes  Ausschneiden sollte 4-10 Wochen nach der Geburt erfolgen. Das geübte Auge des Hufschmieds erkennt Achsenfehlstellungen unter Berücksichtigung des Knochenwachstum. Sie erfordert eine gute Zusammenarbeit mit dem Tierarzt. Der Hufschmied kann den Huf mit Klebstoff aufbauen oder einen Fohlenschuh aufkleben. Wichtig ist eine regelmäßige Kontrolle und das Entfernen der Hufschuhe nach 10-21 Tagen. Bei Sehnen-Fehlstellungen kann die Verkürzung der tiefen Beugesehne Erfolge zeigen, z.B. mit Splint Cast (verkürzte Schienen am Knochen) Beim Bockhuf wird eine Zehenverlängerung mit Klebstoff angewendet.

 

Die Desmotomie (Durchtrennung eines Bandes) des Unterstützungbandes der tiefer gelegenen Beugesehne oder bei einem Zwanghuf einen Spring Shoe, ein Spezialeisen mit einer eingefügten Feder, die den Zwangschuh weitet, können sehr hilfreich sein. Die ersten sechs Monate im Leben des Fohlens sind wichtig. Hier kann der Grundstein von vier gesunden Pferdebeinen gelegt werden. Der Züchter kann durch gezielte Beobachtungen erkennen, wie sein Fohlen läuft. Sein Hufschmied wird gezielt die Hufe des jungen Pferdes korrigieren und im Notfall rechtzeitig einen Tierarzt empfehlen. Da der Huf des Fohlens oben weiter ist als unten, müssen die Trachten regelmässig ausgeschnitten werden. Der Hufschmied wird dem Züchter dabei behilflich sein. Bei einer Fehlstellung des Beines oder Hufs wird dort der Hufrand geraffelt, in welche Richtung er zeigt. Nach diesen hervorragenden Vorträgen der Gebrüder Gygax haben die Züchter Gelegenheit Fragen zu stellen, was rege genützt wird. Der Präsident der LW dankt beiden für ihre interessanten Vorträge und wünscht allen Anwesenden Glück in Haus und Stall.

 

Bericht verfasst von Sandra Witprächtiger, Sekretärin der LW

 

Fotos von Sandra Witprächtiger

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