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DER ZÜCHTERABEND DER LUZERNER
WARMBLUTPFERDEZUCHT-GENOSSENSCHAFT MIT
DR. MED.VET. A. KNÜSEL UND MED.VET.
D. GYGAX
Bericht und Fotos von Sandra Witprächtiger
Die Luzerner Warmblutpferdezuchtgenossenschaft
organisierte am 17. Januar 2008 einen sehr
interessanten und informativen Züchterabend in
Ruswil, Luzern.
Med. vet. D.Gygax, Vetsuisse-Fakultät Universität Zürich, Pferdeklinik,
befasste sich mit dem Thema: Häufige Zahnprobleme
und Zahnerkrankungen vom Fohlen bis zum alten Pferd.
Er zeigte uns im ersten Teil des Abends, wie wichtig
eine Zahnkontrolle beim Pferd sein kann. Wurde bis
vor ca. 20 Jahren kaum mehr von Zahnproblemen beim
Pferd gesprochen, liest man heutzutage fast in jeder
Fachzeitschrift von Pferde-Zahnärzten und ihren
Patienten. An einem Pferdeschädel sahen wir
eindrücklich, wie die Zähne anatomisch angelegt
sind. Auch Fotos, Zeichnungen und Röntgenbilder
halfen mit, die verschiedensten Krankheiten,
Missbildungen und Operationen zu verstehen. Sind
Zahnbehandlungen nötig? Laut D. Gygax sind
Zahnerkrankungen häufig, doch die Symptome sind
unspezifisch und werden oft mit Unrittigkeit
verwechselt. |
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Mindestens einmal jährlich sollte man
bei den Pferden die Zähne kontrollieren lassen,
bevor schlecht wachsende Zähne dem Pferd unnötige
Schmerzen bereiten. Schon beim Fohlen kann eine
Korrektur wesentlich zum Wohlbefinden beitragen.
Junge Pferde, 2-5 jährig, sind im Zahnwechsel und
brauchen bei der Ausbildung optimale Zähne und
passende Trensen. Es ist wichtig, dass die
Zahnbehandlung ein ausgebildeter Tierarzt oder ev.
ein kompetenter Fachmann durchführt. Bei der
Untersuchung werden nicht nur die Zähne
kontrolliert, sondern der Allgemeinzustand, der
Kopf, die Nüstern, die Augen und die Mundhöhle des
Pferdes geben wichtige Informationen über seinen
Gesundheitszustand. Mit Hilfe der heutigen Technik
kann der Kopf des Pferdes mit Radiologie,
Endoskopie, Computertomografie oder Szintigraphie
untersucht werden und auch kleinste Krankheiten
erkannt werden. Zur Ausrüstung gehören nebst dem
Maulgatter auch ein Maulkeil, eine Lichtquelle, eine
Zahnraspel von Hand wie auch maschinell dazu. Das
Pferd zu sedieren bringt für den Tierarzt und für
das Pferd einige Vorteile. Die Zahnbehandlung
erfolgt sowohl prophylaktisch wie auch
therapeutisch. Für die Züchter war es sehr
interessant, zu den Informationen auch viele Fotos
zu sehen. D. Gygax stellte uns angeborene Anomalien,
Zahnerkrankungen und Behandlungen in Wort und Bild
vor. Zu den angeborenen Anomalien gehören Unter- und
Überbiss, Wry Nose (gekrümmter Oberkiefer),
Polydontie (zu viele Zähne) oder versprengte
Zahnanlage (Zahn beim Ohr). |
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Zu den Zahnerkrankungen gehören
Frakturen, zu langes Wachstum (bei älteren Pferden
oder wegen einer Zahnlücke), Parodontose,
Zahnkappen, Wolfszähne, Spitzzähne, Hacken, Rampen,
Wellenschliff, Scherengebiss, Meisselzahn, Diastema
(Zahnlücken), Karies, Tumore, Zahnfachentzündungen
und Wurzelinfektionen. Eine Zahnextraktion kann
durch die Maulhöhle, durch eine äussere Öffnung am
Kopf (Bukkotomie) oder äusserlich mit Meissel und
Hammer (Repultion) durchgeführt werden. Eine
Zahnbehandlung ist oft sehr aufwändig, weshalb sich
eine jährliche Kontrolle lohnt.
Im zweiten Teil des Züchterabends
befasste sich Dr. med. vet. Alfons Knüsel,
Tierarztpraxis am Rössliplatz, Dagmersellen mit dem
Thema: Das Prinzip der Homöopathie, Anwendung und
Wirkung homöopathischer Heilmittel beim Pferd.
Als erstes erklärte uns Dr. A. Knüsel die
Zusammenhänge der Homöopathie und der TAMV, das
heisst der Tierarzneimittelverordnung.
Die Homöopathie hat als Komplementärmedizin Vorrang
und darf bei Pferden problemlos angewandt werden.
Antibiotika und Homöopathie schliessen sich
gegenseitig nicht aus. In der klassischen
Homöopathie wird ähnliches mit ähnlichem geheilt.
Die Krankheit wird als dynamische Verstimmung der
Lebenskraft erkannt und nicht materiell. Die Ursache
liegt verborgen, die Bakterien spielen eine
sekundäre Rolle. Symptome wie Husten oder Fieber
werden erkannt, jedoch studiert der homöopathische
Tierarzt eingehend die Ursache der Krankheit in der
Anamnese. |
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Er behandelt das Pferd als Einheit.
In der Homöopathie sind viele Beobachtungen im Leben
des Tieres wichtig, die man von Vorteil regelmässig
notiert, z.B. wie verhält sich das Pferd bei Kälte,
Wärme, Wasseraufnahme, Angst, Schreckhaftigkeit, in
der Herde usw. Der Arzt sucht den Weg, das Pferd ins
Gleichgewicht zu bringen. Eine Diagnose ist
anspruchsvoll und zeitaufwändig. Nicht alle
Tierärzte stehen der Homöopathie positiv gegenüber.
In der Schweiz gibt es nur ca. 25 homöopathisch
ausgebildete Tierärzte. Die Arzneien werden aus
Pflanzen, Mineralien, Tieren, tierischen Stoffen und
Nosoden (Krankheitserreger) gewonnen. In aufwändiger
Handarbeit, zermahlen und schütteln, werden die
homöopathischen Arzneimittel zubereitet, potensiert.
Der Verlauf nach der Einnahme verläuft
unterschiedlich. Jede Krankheit hat eine eigene
Dynamik. Eine akute Krankheit braucht eine schnell
wirkende homöopathische Arznei. Die Behandlung wird
beim Tier von oben nach unten und von innen nach
aussen angewandt. Eine Erstreaktion muss nicht eine
Verschlimmerung bedeuten, auch wenn z.B. der
Nasenausfluss verstärkt wird, fühlt sich das Pferd
wesentlich besser. Was muss der Tierbesitzer wissen?
Er muss sein Tier sehr gut kennen, bewusst
beobachten und aussergewöhnliche Sachen notieren,
z.B. den Verlauf der Geburt. Was muss ein Tierarzt
können? |
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Als Tierarzt muss er die Krankheiten,
die klassischen Behandlungen mit ihren
Erfolgsaussichten incl. Nutzen und Risiken kennen.
Als homöopathischer Tierarzt braucht er ein
fundiertes Wissen über alle homöopathischen
Arzneien, er muss den Verlauf beurteilen können und
ist auf das gegenseitige Vertrauen zum Besitzer
angewiesen. Der Tierhalter soll für seine Tiere die
bestmöglichen Vorraussetzungen schaffen, denn auch
hier ist vorbeugen besser als heilen.
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Am Schluss der Referate unserer
kompetenten Tierärzte hatten die Züchter die
Möglichkeit, Fragen zu stellen, was rege genutzt
wurde und wertvolle Diskussionen auslöste. Der
Präsident der LW, Walter Albisser, bedankte sich bei
Dr. Knüsel und D.Gygax im Namen der Züchterinnen und
Züchter für den interessanten Abend. |
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